Tradition

Die Tradition der GroKaGe ist eine Geschichte für sich. Unter ihrem Namen wurde sie zwar erst – oder immerhin schon – am 28. März 1898 gegründet, die Vereinsgeschichte begann aber schon 1879 mit der Gründung des Männergesangsvereins „Cäcilia“, der zusammen mit den Gesangsvereinen „Liedertafel“ und „Liederkranz“, dem Turnverein und der Schützengesellschaft die noch weit älteste Fastnachtstradition des „Bruchsaler Narren-Kappen-Vereins“ von 1845 bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts weiterführte. Die GroKaGe konnte, zumal viele Gründungsmitglieder ehemalige „Cäcilianer“ waren, „nahtlos“ die Fastnacht ins 20. Jahrhundert übernehmen.

Historisch ist auch das „Nationallied“ der Bruchsaler vom „Grafen Kuno“ und vom „Brusler Dorscht“, das ein geschichtsbewußter Liedertexter schon 1901 im kleinen Kreise vorstellte – und das etwa ab 1908 den Weg in die öffentliche Beliebtheit fand. „Denn der Dorscht, ja der Dorscht, ja der alte Brusler Dorscht war die Leidenschaft des Grafen, alles andere war ihm worscht“. Mit diesem Lied war auch die Gestalt des „Grafen Kuno vom Kraichgauland“ zum Leben erweckt, verkörpert erstmals 1938. „Graf Kuno“ und sein „Knappe Baldrian“ wurden zu Symbolfiguren der „Brusler Fastnacht“. Dem „Grafen Kuno vom Kraichgauland“ ist seit 2014 das närrische Graf-Kuno-Museum, das kleinste Museum Baden-Württembergs, gewidmet, das von der GroKaGe gestaltet ist und in dem an jedem 2. Sonntag im Monat nicht ganz ernst zu nehmende Devotionalien des Grafen besichtigt werden können.

Seit dem Jahre 1965 steht die Brusler Landmiliz in schmucken Uniformen mit Kanone und Hellebarden dem Grafen als Leibgarde zur Verfügung.

Heute zählt der Verein über 290 Mitglieder, und davon alleine über 90 Jugendliche. Wer die Jugend hat, der hat auch die Zukunft. Und so wurde 1992 erstmals ein Kinderelferrat und ein Kinderprinzenpaar ins Leben gerufen. Am Rosenmontag wird die schon zur Tradition gewordene Kinderprunksitzung durchgeführt.

Mit Stolz kann die GroKaGe auf viele Eigenakteure blicken. Büttenredner, Sänger, Tänzer und Garden begeistern das Publikum bei allen Prunksitzungen. Ob für die Senioren der Stadt, für die Bewohner des Altenzentrums, für die Kinder oder bei der Saisoneröffnung am Otto-Oppenheimer-Platz, und natürlich bei der großen Prunk- und Fremdensitzung hält die GroKaGe an der Tradition fest, „Allen wohl und niemand weh“.

Für besondere Verdienste um die heimische Fastnacht wird der Verdienstorden der GroKaGe vergeben. Eine besondere Auszeichnung ist der Titel des Ehrensenators für große Gönner des Vereins, die wiederum zu einem Ehrensenat gehören.

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Brusler Dorscht

Das Lied vom durstigen Grafen Kuno, schrieb der bis zu seiner Emigration 1938 in Bruchsal lebende jüdische Tuchgroßhändler und Kunstmäzen Otto Oppenheimer (1875-1951).

Die Entstehungsgeschichte seines Liedes beschrieb Oppenheimer in einem Brief vom 14. Juni 1950 an den damaligen Präsidenten der Großen Karnevalsgesellschaft Bruchsal:

Sie wissen, daß um die Jahrhundertwende in Bruchsal, das damals in seiner besten Blütezeit stand, die Große Karnevalsgesellschaft florierte. Damals war von dieser Gesellschaft ein Preis für ein Lied aus der Brusler Geschichte ausgesetzt, und ich gewann den Preis mit meinem Lied: „Ferdinand“. Die frohe Aufnahme, die das Lied fand, hat mich veranlaßt, noch einige weitere Lieder aus der Brusler Geschichte zu verfassen, die dann im Laufe der Jahre in den Sitzungen der Großen Karnevalsgesellschaft gesungen wurden. Das dritte Lied war das vom „Brusler Dorscht“. Es wurde zuerst anläßlich meines Junggesellenabschiedes am 27. April 1901 im damaligen „Hotel Keller“ am Bahnhof gesungen.

Den Stoff zu diesem Lied fand ich in einem Geschichtswerk „Die Geschichte des Bistums Speyer“ in der Staatsbibliothek Dresden-Neustadt. Den Verfasser dieses zweibändigen Werkes weiß ich nicht mehr. Dort fand ich auch, wenn ich mich recht erinnere, die lateinische Urkunde vom Mai 1056, worin der Kaiser Heinrich III. den Hof zu Bruxoles (Bruchsal) mit allen Wiesen und Gewässern, so wie es ihm von seinem Vetter, dem Grafen Konrad (Kuno) vom Kraichgauland hinterlassen worden ist, dem Bistum Speyer schenkte. Ich habe mich damals gefragt, wie es gekommen sein mag, daß der Hof von Bruchsal dem Kaiser Heinrich zufiel? Da muß doch ein Erbe gefehlt haben? Na, und da war es nur noch ein Schritt von der historischen Wahrheit zur humoristischen Dichtung. Da ich den letzten Kraichgaugrafen nicht verunglimpfen wollte, habe ich aus dem Grafen Konrad einen Kuno gemacht, aus dem Hof ein Schloß und den Todestag habe ich um einige Monate verlegt auf Anfang Februar.

Das Lied blieb verschollen, wie alle die Lieder der Großen Karnevalsgesellschaft Bruchsal, bis ich an Fastnacht 1912 oder 1913 im „Cafe Bellosa“ es wieder hörte, und zwar von einer Zigeunerbande, von denen der eine eine Guitarre und der andere eine Flöte zur Begleitung der Musik hatte. Ich war ganz baff, das Lied wieder zu hören, und erkundigte mich später nach Abzug der Zigeuner, wer das war, der mit der Guitarre. Es waren Primaner, der Guitarrenspieler war der Hans Ebbecke und der Flötist der Wilhelm Häußler. Von da ab waren wir Freunde, und niemand anderer als Dr. Hans Ebbecke hat sich für die weite Verbreitung dieses Liedes verdient gemacht. Noch heute singt es Hans Ebbecke auf Verlangen seiner Zuhörer, und ich freue mich unsagbar, daß Hans seinen alten Humor noch hat.

Das war der Graf vom Kraichgauland, Graf Kuno war’s, der Held.
Der hatte einen Höllenbrand, doch leider wenig Geld.
Im Rappen war sein Stammlokal, da saß er Tag und Nacht
und hat so manches Zechgelag auf frohen Pump gemacht.
Denn der Dorscht, denn der Dorscht, denn der alte Brusler Dorscht
war die Leidenschaft des Grafen, alles andre war ihm worscht.

Vom Eichelberg bis an den Rhein war all sein Eigentum,
der schöne Lußhardtwald war sein und vieles drumherum.
Doch freute ihn kein grüner Wald, kein Jagen auf der Au,
das schönste Mädchen ließ ihn kalt, er liebte keine Frau.
Bloß de Dorscht, bloß de Dorscht …war die Leidenschaft ….

Der deutsche Kaiser Heinerich war mütterlicherseits
des Grafen Kuno Petterich und Gläubiger bereits.
Der hatt‘ ne Hypotheke auf das alte Brusler Schloß,
sodaß des Vetters Lebenslauf den Kaiser arg verdroß.
Ach de Dorscht, ach de Dorscht …
war die Leidenschaft ….

Doch eines schönen Tages war vorbei die große Not:
’s war grade Anfang Februar, da war Graf Kuno tot.
Doch an die Landeskinder hat gedacht er bis ans End;
denn als die Teilung ward gemacht, da stand im Testament:
Meinen Dorscht, meinen Dorscht, meinen alten Brusler Dorscht –
erben meine Landeskinder, alles andre ist mir worscht.